Parkplatz zum Letzten…

Pirmasenser Popkulturtempel schließt die Pforten

Nochmals volle Hütte vor dem Ende: am 31. Oktober ging das letzte Konzert über die Parkplatzbühne.

Nochmals volle Hütte vor dem Ende: am 31. Oktober ging das letzte Konzert über die Parkplatzbühne.

Klar dass in den letzten Tagen nochmals viele kamen, um die letzten Gelegenheiten zu nutzen. Doch mit dem allerletzten Parksong-Montag am 31.10.2011 war Schluss mit der Musik- und Kultur-Kneipe „Parkplatz“ in Pirmasens. Und für viele Freunde live gespielter Musik in Stadt und Region wird eine Ära zu Ende gehen.

Zu hoch gehängt? Nein, ganz und gar nicht. Denn der Parkplatz war schon was Besonderes in den 20 Jahren seines Bestehens. Nicht wenige aus der Stadt und der Umgebung haben hier zumindest einen kleinen Teil ihrer Jugend verbracht, Exilanten und Emigranten ein Platz gewusst, um beim Heimaturlaub heimatliche Atmosphäre finden und bekannte Gesichter.

„Wir schließen wirklich mit großem Bedauern“, sagt Peter Dreher, der mit Peter Stumpf, beide 47 Jahre alt, am 15. März 1991 den „Parkplatz“ in der ehemaligen „Oberen Parkschenke“ des Park-Stammhauses eröffnete. Beide „Peter“ machten aus dem Lokal einen weitbekannten Treffpunkt vor allem der musikalischen Szene und ihrem Publikum.

Der Zeitstempel verräts: 1992 starteten Peter Dreher und Peter Stumpf (von links) die Musikkneipe Parkplatz in Pirmasens, der nun Geschichte ist.

Der Zeitstempel verräts: 1992 starteten Peter Dreher und Peter Stumpf (von links) die Musikkneipe Parkplatz in Pirmasens, der nun Geschichte ist.

Zeitsprung, 30 Jahre retour: 1980 öffnete das „Zaunkönigs Horebschloss“ in der Horebstraße seine Türen. Wenige Jugendkneipen gab es in Pirmasens, und so wurde das „Schlessl“ gut frequentierter Anlaufpunkt für die Pirmasenser „Boheme“ und was sich so im Dunstkreis dieser bewegte. (Natürlich nicht jene, die ausschließlich zu „Mogli“ gingen…!!) Angelegt war die rustikale Angelegenheit vom „1. Zaunkönig“ Markus Fußer und seinem Team, wie man heute sagt, als Kulturkneipe und sie startete auch mit einer wilden Ausstellung und setze die Sache auch mit ebenso wilden Konzerten fort. 1983 betrat mit Peter Dreher der neue Zaunkönig die Bühne, respektive den Laufgang hinterm Tresen: Der König war tot (heißt: versuchte eher LPs und CDs zu verkaufen), es lebe der König!: Peter Dreher setzte die Linie fort auch mit Konzerten und kulturellen Veranstaltungen (Stammgäste behaupten fest, jeder Abend und vor allem der Dienstag war an und für sich eine kulturelle Veranstaltung).

1991 dann die Übernahme der Oberen Parkschenke durch Peter Dreher mit Peter Stumpf, die zum Parkplatz wurde. Um die Event-Schiene auszubauen, sagt Dreher, etwas Neues zu starten. Ein kleiner Kulturtempel war im ehemaligen Park Stammhaus entstanden, denn das Parkkino beherbergte das Provinzkino, das später nach Queidersbach und weiter zog. Und auch die untere Parkschenke war aktiv.

Dieses Trio zog auch mit, als Dreher und Stumpf das legendäre Stammhausfest vor 21 Jahren aus der Taufe hoben. Ein Wochenende mit viel guten Bands, Matinee-Konzerten und Unterhaltung, das sich auch viele Pirmasenser Exilanten traditionell für ihren Heimaturlaub in ihren Kalender schrieben.

2006 wurde der Parkplatz umfassend renoviert und nach den Ideen von Dreher zu einem modernen Lokal umgestaltet. Schon von Beginn an war im Lokal eine kleine Bühne integriert, auf der mindestens jeden Donnerstag Bands aus den unterschiedlichsten musikalischen Richtungen – von Pop über Blues und Jazz bis zu sehr experimentellen Formaten – spielten.
Neue Band aus der Stadt und der Region fanden sich hier, spielten ihre ersten Konzerte, Musiker fanden beste Kontakte.

Nochmals volle Hütte vor dem Ende: am 31. Oktober ging das letzte Konzert über die Parkplatzbühne.

Nochmals volle Hütte vor dem Ende: am 31. Oktober ging das letzte Konzert über die Parkplatzbühne.

Auch weitere Veranstaltungen, wie die eintrittsfreie Reihe Park-Song am Montag – eine Möglichkeit für Singer/Songwriter, Liedermacher und „Niederstrom-Bands“ – wurden weit über Pirmasens bekannt. 59 Mal ging Park-Song über die Bühne, das letzte Mal am Tag der Schließung. Und auch eine kleine Reihe „Classic Jazz Monday“, von den Parkplatz-Machern mit dem bekannten Jazzer Frank Wosnitza aus der Taufe gehoben, fand viele Liebhaber. Der Parkplatz wurde zu einem der wenigen (pop-)kulturellen Mittelpunkten der Stadt.

2006 ging auch ein lang gehegter Wunsch der beiden Wirte in Erfüllung: der Biergarten im Parkplatz-Hof unter den großen Platanen wurde eingeweiht. Ein nicht kleines Problem war die Entfernung des Biergartens von Küche und Theke. Für den Freisitz wurden extra Ausschank und Open-Air-Küche installiert.

2009 kam ein Einbruch der Umsätze, der viele Väter hatte. Verändertes Ausgehverhalten, explodierende Kosten, die verheerende demografische Entwicklung in der Stadt, überhaupt ein merkbarer Wandel im „öffentlichen Leben“ in Pirmasens. Viel Platz für Spekulationen sei hier, meint Dreher. Große Möglichkeiten zum Reagieren gab es nicht. Mit verschiedenen Vermieterparteien gab es eine sehr problematische Verhandlungsbasis, sagt Dreher mit großer Diplomatie.
Nun ist der Vertrag ausgelaufen zwischen den Peters und den Stammhausbesitzern. Beide hätten sie das Lokal nicht nur geführt, sondern gelebt, „das Konzept Parkplatz“ sei „ihr „Baby“ gewesen, sagen Dreher und Stumpf. Mit viel Engagement und Herzblut, wie man so sagt, hätten sie in den 20 Jahren eine Kulturkneipe aufgebaut und vielen Künstlern im Lauf der Zeit eine Plattform für Auftritte geboten und dem treuen Parkplatz-Publikum eine Möglichkeit, sich gut zu unterhalten. Der Abschied falle entsprechend sehr, sehr schwer, so die beiden Wirte, die sich am letzten Oktobertag bei vollem Haus von ihrem Publikum verabschiedeten.

Auf sein Eventgeschäft werde er sich nun mehr konzentrieren meint Dreher. Er habe hier ein paar Eisen im Feuer und viele Ideen, die er bisher auch aus Zeitgründen nicht umsetzen konnte.

Auch wenn die Kneipenszene in Pirmasens zumindest zurzeit den sterbenden Schwan tanzt, Peter Dreher wird ihr schon durch sein Irish Pub erhalten bleiben. Und für die Zukunft gilt das Fußballerwort: Schaun mer mal….

(sr)